"Die Grundformen der Angst" nach Fritz Riemann
- Sabine Terhorst
- vor 24 Stunden
- 3 Min. Lesezeit
Heute möchte ich gerne ein Modell vorstellen, dass ich in meiner Praxis immer mal wieder erkläre. Es ist aus dem Buch „Grundformen der Angst“ von Fritz Riemann (Psychoanalytiker). Er beschreibt hier, dass wir Menschen grundsätzlich von vier Ängsten beherrscht werden können, die jeweils zwei verschiedenen Grundachsen zugeordnet werden. Es ist ein einfaches Modell – aber gerade deshalb eben auch leicht verständlich und anwendbar und es hilft oft, sich seiner eigenen Tendenzen bewusster zu werden.
Zum einen gibt es die Achse der *„Nähe“*. Sie wird oft als X-Achse dargestellt.
Je nachdem, wo ich mich auf dieser Achse befinde, habe ich entweder Angst vor Nähe oder Angst vor Distanz. Bin ich eher ein Mensch, der zu anderen Abstand sucht und sich in der Autonomie wohlfühlt, oder bin ich gesellig und neige dazu, mich selbst zu vergessen, wenn andere da sind? Dabei geht es in den allermeisten Fällen um Tendenzen, die auch nicht immer und bei jeder Person zutreffen müssen. Ich persönlich bin bei meinem Mann eher jemand, der Angst vor Distanz hat. Bei vielen anderen Menschen habe ich aber eher die Tendenz, Abstand zu halten. Ich genieße meine Autonomie und mag den Gedanken nicht, „abhängig“ zu sein, oder den anderen etwas „zu schulden“. Das war für mich aber nicht immer so offensichtlich. Lange Zeit glaubte ich, „die anderen“ würden keine Nähe zulassen. Bis ich merkte, dass ich diese Tendenzen hatte 🫣. Ich sitze gerne in meine sichere Burg 🏰 und schaue von dort heraus. Und es braucht eine Weile, bis ich jemanden hineinlasse. Wenn er dann aber mal drin ist, lasse ich ihn auch nicht mehr so gerne hinaus.
Wie ist es bei Dir? Kennst Du solche Tendenzen auch? Neigst Du dazu, eher im Kontakt mit Dir zu sein und die anderen nicht so gut zu sehen oder neigst Du eher dazu, die anderen zu sehen und zu fühlen, Dich selbst aber nicht so gut wahrzunehmen? 🤔
Auf der Y-Achse wird in der Regel die „Beständigkeit“ dargestellt. Hat man Angst vor der Beständigkeit, liebt man die Veränderung und ist eher spontan. Man ist auch schnell gelangweilt und hält Rituale nicht so gut aus. Hat man hingegen eher Angst vor Veränderungen, neigt man zu Kontrolle und Ordnung. Diese Achse finde ich besonders spannend 🙈, da ich in diesem Fall klar der Kategorie „Angst vor Veränderung“ zuzuordnen bin. Ich bin jemand, der Strukturen sehr mag, Rituale pflegt und verliebt in Excel-Dateien ist. Ich liebe auch die damit verbundene Anerkennung, denn es ist nun mal ein Vorteil an dieser Tendenz, dass man auch sehr verlässlich ist und planbar. Es war für mich sehr spannend zu bemerken, dass es Menschen gibt, die in solchen Strukturen ersticken und ihre Lebendigkeit verlieren. Und es hat mich extrem inspiriert, denn durch das aufmerksame Beobachten habe ich auch die Nachteile meiner Tendenzen deutlicher gespürt. Der Stress, der entsteht, wenn etwas Unvorhersehbares, nicht geplantes passiert. Mein Lieblingsbeispiel ist das geplante Schnitzel 🥩zum Abendessen. Es hat mich gestresst (und tut es noch heute ein bisschen), wenn mein Mann sich erdreistet, plötzlich einen Salat 🥗zu planen. Nicht des Salates wegen – sondern weil ich es nicht auf dem Plan hatte 🤪.
Auch hier die Frage: wo befindest Du Dich auf der Achse? Eher oben oder eher unten? Wie stark sind Deine Tendenzen Deiner Meinung nach ausgeprägt? Vielleicht magst Du auch mal jemand anderen fragen?
Bitte teile hier nicht in „gut“ oder „schlecht“ ein. Es sind Tendenzen. Sie gehören zu Deiner Persönlichkeit und haben jeweils viele Vorteile. Manchmal hilft es aber, darum zu wissen. Meist geht es ohnehin nur darum, mehr Entscheidungsspielräume in seinem Innenleben zu schaffen – der erste Schritt ist immer das Erkennen 🤓.
Viel Freude beim Erforschen!
Und wenn Du Fragen hast: melde Dich gerne mit einer PN 🤗

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