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Kontrolle und Angst

31. Juli
3 Min. Lesezeit

Der Wunsch nach Kontrolle ist etwas, das mir in meiner Praxis häufig begegnet. „Ich habe die Dinge gerne im Griff“ – „Ich brauche den Überblick“ – „Ich kann es nicht kontrollieren, das macht mich wahnsinnig“ – „Wenn ich es nicht mache, wird es eh nicht gemacht“. So menschlich… ich bin auch ein kleiner Kontroll-Freak und habe eine kleine Zwangs-Neurotikerin in mir 🤓.


In meiner Ausbildung habe ich gelernt: *da wo Kontrolle ist, ist auch immer Angst*. Kontrolle versucht die Angst zu beruhigen. Eine Angst, die oft viel tiefer geht, als das nur ein Termin vergessen wird oder die Rechnung nicht rechtzeitig bezahlt wird. Wenn wir Kontrolle ausüben, geben wir uns der Illusion hin, dass wir alles im Griff haben und alles in unserer Hand läge. Je zwingender dieser Wunsch ist, desto größer ist die Gefahr der Desillusionierung und das damit verbundene Gefühl des Kontrollverlustes – was sich durchaus als existenzielle Bedrohung anfühlen kann. Und wenn wir uns nur noch darauf konzentrieren können (weil die Angst dahinter wahnsinnig groß ist), sehen wir nur noch die Gefahr und keine weiteren Handlungsspielräume mehr. Und weil das so ist, beginnen wir noch mehr kontrollieren zu wollen. Es kann zu einem echten Teufelskreis werden, der nicht nur einen selbst belastet, sondern oft auch auf das Umfeld Auswirkungen hat 😕.


Spannenderweise ist „immer alles unter Kontrolle zu haben“ ja auch eine Kompetenz 💪🏻, die lange Zeit vielleicht sogar wertgeschätzt wird. Ob in der Arbeit, weil man ein hohes Arbeitspensum bewältigen kann und verlässlich ist, oder im privaten Umfeld, weil man sich einfach auf die Person verlassen kann. Durch diese lange Bestätigung wird es umso mehr zum eigenen Selbstbild und Selbstverständnis und so wird es oft auch noch als persönliches Versagen empfunden, wenn man dann mal bemerkt, dass es die wahre und echte Kontrolle eigentlich nicht gibt. Da kommt dann noch eine ordentliche Portion Scham hinzu was wieder dazu führt, noch mehr kontrollieren zu wollen – auch das, was eigentlich keinen Sinn ergibt.


Kennst Du das von Dir auch? Oder kennst Du andere, bei denen Du das beobachten kannst? Ehrlich gesagt, würde es mich wundern, wenn nicht… 🤔


Was also tun, wenn es nicht mehr funktioniert oder wenn mein Leben immer enger wird, weil meine Kontrollbedürfnisse so stark sind, dass sie mich mehr und mehr einschränken?


Ich wünschte, ich könnte eine allgemeingültige Antwort geben.

Eine, die sicher für (fast) alle gilt, ist erst mal zu schaun, was einen entspannt und runterkommen lässt. Je höher der Stresslevel, desto größer ist das Kontrollbedürfnis. Klar: bei großen Krisen hilft da nicht mal eine halbe Stunde Autogenes Training und alles ist gut. Aber schau mal für Dich: ist Dein Kontrollbedürfnis in einem entspannten Urlaub immer noch genauso groß, wie im Berufsalltag und mitten in Deinem alltäglichen Wahnsinn? Richte den Blick dabei auf die Tendenz: bin ich ein bisschen entspannter? Du musst nicht gleich komplett entspannt sein!


Ein zweiter Punkt kann sein, dass man sich im Alltag selbst bewusster macht, dass man zwar gute Bedingungen schaffen kann, aber es immer wieder Dinge gibt, die man nicht kontrollieren kann. In meiner Erfahrung habe ich es nach einiger Zeit als große Entlastung erfahren, dass nicht alles in meiner Verantwortung liegt. Nochmal: ich kann lediglich gute Bedingungen schaffen, aber ich habe viele externe Faktoren niemals im Griff – niemals!


Ich wünsche Dir viel Neugierde und Freude beim Forschen 🤗

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